Siegerehrung 2012

plakat2012

Die Wettbewerbsfrage 2012 lautete: "Nation 2012? Was bedeutet Nation heute?"

 

1. Platz: Daniel Klisa

Die deutsche Nation – Plädoyer für eine Renaissance

Zusammenfassung

daniel klisaIn seinem Essay über die Bedeutung des Identitätskonzeptes „deutsche Nation“ beschreibt Daniel Klisa in einem historischen Abriss zunächst das Fehlen eines positiven Nationalgefühls der Deutschen nach der Zeit des Nationalsozialismus. Klisa überprüft daraufhin, ob das Modell Verfassungspatriotismus sowie das Gefühl der Verbundenheit mit einem gemeinsamen Europa als Ersatz für das verlorene Bekenntnis zu einer deutschen Nation dienen könnten. Klisa verwirft diese Alternativen, da es ihnen an emotionaler Bindekraft und kultureller Verbundenheit mangele. Dagegen plädiert er für das Bekenntnis zu einer identitätsstiftenden deutschen Nation, die sich auf gleiche Werte, Kultur und Sprache gründe.

Bewertung der Jury

Den Beitrag von Daniel Klisa wertet die Jury als ein Plädoyer für die Wiederbelebung der Idee der Nation, besonders auch für die Akzeptanz eines deutschen Nationalbewusstseins. Der in jeder Hinsicht überzeugende und originelle Blick eines Vertreters der „jungen Generation“ mit Urteilskraft wird als ideologisch ungetrübt und weithin unbeeinflusst von vergangenen Kämpfen um die intellektuelle Deutungshoheit beurteilt. Der Beitrag weise auch eine breite Reflexion über die deutsche Nation, die Probleme mit ihrer heutigen Gestalt auf und sei rückbezogen auf die Geschichte unter Einbeziehung der Frage einer europäischen Identität. Auch wenn er die Realität der deutschen Nation keineswegs als anachronistisch ansehe, liege Klisa daran, diese nicht gegen den Europagedanken auszuspielen, wie das zuweilen geschehe. Im Hinblick auf Sprache, Originalität und Analyse wird der Beitrag zudem als vorzüglich gewertet.

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2. Platz: Heidrun Mühlbradt

Was wollen Nationen wirklich?

Zusammenfassung

muehlbradt heidrunMühlbradt stellt in ihrem Essay insbesondere anhand von Eric Hobsbawn und Ernest Renan Nationalismuskonzepte  auf den Prüfstand. Dabei bemerkt sie eine wichtige Lücke in der Theoretisierung bisheriger Modelle.  Denn diese würden nicht die Frage beantworten, warum eine Nation als Willens- und Gedächtnisgemeinschaft Macht entfaltet. Die zentrale Frage müsse demnach danach sein, was eine Nation will. Dieser Frage geht die Autorin anhand des psychoanalytischen Begriffs des Begehrens nach. Eine Nation begehre, was von ihr verlangt werde. Sie strebe nach Vollständigkeit und Homogenität, um einen Mangel, ihre tatsächliche Unvollständigkeit und Diversität, zu kompensieren. Diese Einsicht berge eine wichtige Erkenntnis. Nach Ansicht der Autorin müsse die eigentliche Heterogenität der Nation akzeptiert werden, damit auch Menschen in ihr Platz finden, die als anders angesehen werden.

Bewertung der Jury

Die Jury bewertet das Essay von Heidrun Mühlbradt als eine selbstbewusste und originelle Arbeit in teilweise satirischer Aufmachung. Die Autorin nehme bei ihrer frechen Abrechnung mit dem „Begehren der Nation“ und ihrem „Inferioritätskomplex“ kein Blatt vor den Mund. Der Mut, Ernest Renan den geistigen Kampf auf hohem Niveau anzusagen, verdiene Anerkennung, zumal Mühlbradt es sich bei ihrer fulminanten, metapherreichen Kritik nicht einfach mache und keinesfalls Opportunismus fröne. Zudem überzeugt die Juroren die den stereotypen Diskurs verlassende Charakterisierung der Nation als „imaginierte Gemeinschaft“. Sie zeichnen das originelle, analytische und sprachlich elegante Essay mit dem Gesamturteil hervorragend aus.

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3. Platz: Almuth Wambach und Vanessa Pfau

Utopia. Unterwegs auf der Suche nach der europäischen Nation

Zusammenfassung

almuth wambachIn ihrem fiktiven Reisebericht begeben sich Vanessa Pfau und Almuth Wambach auf die Suche nach der europäischen Nation. Anstatt sich im Nachbarland Frankreich als EU-Bürgerinnen zu empfinden, würden sie sich fremd fühlen. Daraufhin fragen die Autorinnen nach der Existenz einer kollektiven Identität Europas. Denn die Kategorie der kollektiven Identität stelle eine Grundvoraussetzung für das Konzept Nation dar. Doch die EU bilde weder eine Kommunikationsgemeinschaft noch eine Erinnerungs- und Erfahrungsgemeinschaft. Wesentlich stärker als eine europäische Identität sei das Nationalgefühl einzelner Mitgliedstaaten ausgeprägt. Die Autorinnen kommen zu dem Schluss, dass von der Existenz einer europäischen Nation keine Rede sein könne. Dies müsse ihrer Ansicht nach jedoch kein Nachteil sein. Die Mitglieder würden auf diese Weise ihre Einzigartigkeit bewahren und die Einheit des EU-Verbundes gründe sich auf Diversität.

Bewertung der Jury

Das von Almuth Wambach und Vanessa Pfau gemeinsam verfasste Essay nutze die originelle Idee einer fiktiven Reise durch Europa, urteilt die Jury. Damit werde an das „erfahrene“ Europa angeknüpft und zugleich die Dynamik des europäischen Prozesses gespiegelt. In diesem als stilistisch und argumentativ originell bezeichneten Essay werde Nation als Erfahrungsgemeinschaft, offen nach Europa, beschrieben. Die Autorinnen schildern bei einer  fiktiven Reise durch einige westeuropäische Länder ihre „Suche nach der europäischen Nation“. Dabei werde Skepsis gegenüber der europäischen Nation gezeigt und der massive Unterschied zwischen der europäischen und der nationalen Identität hervorgehoben. Überzeugend sei besonders die (sonst oft fehlende) Problematisierung des Europa-Begriffs.

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