Siegerehrung 2015

plakat2015

Die Wettbewerbsfrage 2015 lautete: „25 Jahre Deutsche Einheit - Ist zusammengewachsen, was zusammengehört?"

 

1. Platz: Constanze Klaue

Unsere Heimat

Die Jury sprach den Siegerpreis Constanze Klaue zu. Die Autorin arbeitet in einem autobiografisch gehaltenen Essay das wechselvolle Leben ihrer Mutter auf. Der Verfasserin ist es ausgezeichnet gelungen, das eigene Schicksal und das ihrer Mutter anschaulich zu Papier zu bringen: Meine Mutter wünscht sich keine Mauer zurück und sie arbeitet fortwährend an ihrer neuen Identität als Bürgerin der Bundesrepublik Deutschland. Ein bisschen leichter wird es ihr dadurch gemacht, da sie den gleichen Nachnamen wie unsere Bundeskanzlerin trägt. Und weil Letztere ja bekanntlich auch aus dem Osten kommt, vermutet so mancher eine Verwandtschaft und tritt mit ihr in Dialog. Mit Bonn wird sie immer die alte Regierung verbinden und leider nicht all das Schöne sehen, das ich der Stadt abgewinnen kann. Aber in Köln hat sie sich fast ein bisschen verliebt. Sie mag die Offenheit der Rheinländer, ihren Witz. Sie möchte nächstes Jahr zum ‚Fasching‘ mit ihrer Freundin vorbeikommen und vielleicht in meine Nähe ziehen, wenn ich sie hoffentlich als Oma brauchen sollte. Meine Mutter war zweimal in San Francisco ihren Großonkel besuchen, kennt die Küste von Cornwall, die Inseln Griechenlands, den Gardasee, und sie weiß, wo man in Irland am besten Wandern geht. Mit den Jahren konnte sie viele ihrer Vorurteile ablegen und sich Stück für Stück von ihrer Vergangenheit trennen, um in der Gegenwart anzukommen. Und trotzdem ruht immer die leise Sehnsucht in ihren Augen: nach etwas, das es nicht mehr gibt und sich immer weiter von ihr entfernt – wie eine Liebe aus alten Tagen.“

Constanze Klaue, Jahrgang 1986, geboren in Ost-Berlin, hat an der Hochschule Osnabrück einen Abschluss erworben (Bachelor of Music), seit 2014 studiert sie an der Kölner Fachhochschule für Medien (Regie & Drehbuch). Sie ist als Komponistin, Filmermacherin und Sängerin bekannt (Künstlername „Erna Rot“). Zu ihren Hobbys zählen der Langstreckenlauf und das Schwimmen.

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2. Platz: Leonie Lühring

Ein arroganter Arbeitsloser und seine deutsch-deutsche Familie

Den zweiten Preis bekam der Text von Leonie Lühring. Sie unternimmt einen Streifzug durch vier Generationen. Der Jury gefiel die eindrückliche Schilderung von Lernprozessen, die jungen Leuten kaum mehr vermittelbar ist: „Zumindest unser Sohn wird sich nicht vorstellen können, dass eine Reise von ostdeutschen zu westdeutschen Großeltern einst mehr Aufwand bedeutet hat als eine Fahrt im Kleinkindabteil der Deutschen Bahn heute. Auch von Abneigungen zwischen Ost- und Westdeutschen wird er nicht zu berichten wissen. Mit uns als seinen Eltern wird er mit der Selbstverständlichkeit aufwachsen, dass sich Ossis und Wessis verdammt gern haben. Sollte er sich eines Tages tatsächlich zu einem arroganten Arbeitslosen entwickeln, so werden wir lernen, damit zu leben, so wie auch unsere Eltern und Großeltern mit den Herausforderungen ihrer Zeit leben mussten. Um dieser Laufbahn als hochnäsiger Erwerbsloser jedoch rechtzeitig entgegenzuwirken, haben wir uns entschieden, ihn in ein öffentliches Bildungsprogramm zu geben: Ab Oktober geht er in die Kita.“

Leonie Lühring, Jahrgang 1986, geboren in Ottersberg/Landkreis Verden, hat an der Humboldt-Universität zu Berlin einen Bachelor im Fach Agrarwissenschaften erworben und ebendort seit 2013 ein Masterstudium aufgenommen („Integrated Natural Resource Management“). Zu ihren Hobbys gehören Fotografieren, englische Literatur und Fahrradtouren.

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3. Platz: Moritz Rudolph

RISSE - Ein Versuch über den Osten

Moritz Rudolph erörtert in seinem Text überzeugend und provokativ zugleich Ambivalenzen der Deutschen Einheit: „Zwei Risse durchziehen das Land und werden zuerst im Osten sichtbar: die zarten, goldenen der Ruinenromantik und der Hoffnung und die hässlichen, groben, dunklen des Ressentiments. Vernunft und Gegenaufklärung, Kritik und Rowdytum scheinen hier gleichermaßen angelegt zu sein. Sie erheben beide auf ihre Weise Einspruch gegen Fukuyamas ‚Ende der Geschichte‘. Doch nicht allein im Osten wird darüber entschieden, ob und welcher Pfad zurück in die Geschichte führt. Die Angelegenheit ist bundesrepublikanisch, vielleicht sogar europäisch. Die Risse müssen nicht spalten, sie können Einheiten stiften.“

Moritz Rudolph, Jahrgang 1989, geboren in Gotha, Stipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung und Jungsozialist, hat ein Studium der Politikwissenschaft, Geschichte und Ökonomie in Brügge und Berlin abgeschlossen. Er studiert nun Philosophie in Tübingen. Ihm sind verschiedene Preise bei Essay-Wettbewerben zuteil geworden. Seine Texte erscheinen u. a. in der Theoriezeitschrift Argumente.

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Publikation 2015
"Ist zusammen gewachsen, was zusammen gehört?"

 

Publikation 2015

 

 

Die Euphorie und Aufbruchsstimmung der Jahre 1989/90 bleiben unvergessen. „Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört.“ – Haben sich die legendären Worte des ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt zum Mauerfall 1989 erfüllt? Wie hat sich die Gesellschaft seit der deutschen Wiedervereinigung entwickelt? Welche Rolle spielt der Ost-West-Unterschied bei der jüngeren Generation? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines studentischen Essaywettbewerbs, den die Deutsche Gesellschaft e. V. und die Deutsche Nationalstiftung anlässlich des Jubiläums „25 Jahre Deutsche Einheit“ ausgeschrieben haben. In vorliegender Publikation finden sich die originellsten Beiträge.

Herausgegeben von Andreas H. Apelt , Eckhard Jesse und Dirk Reimers im Auftrag der Deutschen Gesellschaft e. V. und der Deutschen Nationalstiftung, Mitteldeutscher Verlag, Halle 2016, 14,95 €
Gedruckt mit freundlicher Unterstützung des Bundesministeriums des Innern.

Zu bestellen:

Mitteldeutscher Verlag
Sigrun Hummel
Am Steintor 23
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