Siegerehrung 2011

plakat2011

Die Wettbewerbsfrage 2011 lautete: "Werte und Wertewandel in Deutschland – Was hält die Gesellschaft zusammen?"

 

1. Platz: Christian Nille

Die vernünftige Argumentation als ein Grundwert der Gesellschaft – Der Flaig´sche Anti-Hoax

Zusammenfassung

Christian NilleDie „vernünftige Argumentation“ stellt einen Grundwert unserer Gesellschaft dar, so lautet die These Christian Nilles. Er fordert, diesen Grundwert in Form einer Rechenschaftslegung für Behauptungen umzusetzen, die den Kern der Gesellschaft betreffen. Missachtet man diesen Grundwert, könnten erhebliche gesellschaftliche Konflikte die Folge sein, so der Autor. Ein in der FAZ veröffentlichter Text von Egon Flaig und einige Repliken dienen Nille dabei als Fallbeispiel. Demnach behaupte Flaig, es wäre während des Historikerstreits zu einem „Kulturbruch“, also zu einem Verlust der Rechenschaftslegung, gekommen. Flaig löste damit eine öffentliche Debatte aus, die wiederum bestätigte, dass eine „vernünftige Argumentation“ nicht von jedem als Grundwert der Gesellschaft betrachtet wird, so Nille.

Bewertung der Jury

Christian Nille verfolge am Beispiel seines Textes zum „Historikerstreit“ ebenso scharfsinnig wie provokant die These, „dass vernünftige Argumentation einen Grundwert unserer Gesellschaft darstellt“. Schließlich entstünde eine vernünftige Argumentation erst „auf Grundlage der humanitas“, die ihrerseits nur „durch die Anwendung der vernünftigen Argumentation Wirkung erzielt“. Vor diesem Hintergrund würden die Überlegungen in eine begründete Kritik an der Instrumentalisierung der „Einzigartigkeitsthese“ münden. Die Juroren lobten außerdem die konzise Argumentation auf inhaltlich und sprachlich beachtlichem Niveau.

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2. Platz: Elisabeth Hofmann

Die Gesellschaft im Gespräch – Grenzbetrachtungen zum Wert des Unterschieds

Zusammenfassung

Portrait HofmannElisabeth Hofmann befasst sich in ihrer Arbeit mit dem Thema Grenzen in der Gesellschaft und deren Einfluss auf die Werte „Sicherheit“ und „Freiheit“. Dabei schildert sie die Doppelwertigkeit des Begriffs: Grenzen versprächen den Schutz der Sicherheit und bedingten zugleich die Einschränkung der Freiheit. Anhand der beiden Berliner Gebäudeaufschriften „Die Grenze verläuft nicht zwischen den Völkern, sondern zwischen oben und unten.“ und „Die Grenze verläuft nicht zwischen oben und unten sondern zwischen dir und mir.“ baut sie ihren Text auf. Den Rahmen des Textes liefert die Schilderung einer Mitfahrgelegenheit nach Dresden, welche mit Mitfahrern unterschiedlicher Kulturkreise zum Spiegel einer multikulturellen Gesellschaft avanciert. Einerseits, so Hofmann, markieren Grenzen Unterschiede und schaffen das Bewusstsein für die Ungleichheit. Andererseits könnten diese zwischen Individuen auch positive Orte der Begegnung und des Austauschs darstellen.

Bewertung der Jury

Elisabeth Hofmann sei ein sehr ansprechender, jugendgerechter und, in der Verbindung von alltäglichen Beobachtungen und vertieften Reflexionen, sehr origineller Text gelungen. Die Suche nach Werten erhält hier einen „Wert“, so die Jury. Die Juroren lobten außerdem die besondere Kreativität und Innovationskraft des Textes.

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3. Platz: Joy Kumar Chowdhury

Die Idee des Rechtsstaats als moralisches Minimalprinzip moderner Gesellschaften

Zusammenfassung

Joy Kumar Chowdhury stellt die These auf, dass eine moderne Gesellschaft für ihren Zusammenhalt eine gemeinsame Idee braucht, nämlich die Idee des Rechtsstaats als „ethisch-politisches Minimalkonzept“. Der Rechtsstaat sei aber nicht als selbstverständlich anzusehen, denn er sei ständig bedroht und setze die Anerkennung der Bürger voraus, so der Autor. Verändern sich die Werte einer Gesellschaft, könne dies einerseits Orientierungslosigkeit und politische Instabilität hervorrufen, andererseits aber auch Verbesserungen ermöglichen. Trotzdem ist für Chowdhury der „Rechtsstaat als Minimalidee des Guten“ die Grundlage für den Zusammenhalt einer pluralistischen Gesellschaft.

Bewertung der Jury

Joy Kumar Chowdhury stelle den Aspekt des Rechtsstaats als Minimalanforderung für gesellschaftlichen Zusammenhalt überzeugend dar. Er sehe in den rechtsstaatlichen Werten (z.B. Demokratie, Säkularismus, Liberalismus, Pluralismus) das Bindemittel, welches eine (notwendigerweise) heterogene Gesellschaft festigt und bewerte sie als eine „moralische Identifikationsquelle“, die ebenso der Anerkennung durch die Bürgerschaft bedarf. Die Jury lobte den Text besonders hinsichtlich der sprachlichen Mittel sowie seiner inhaltlich überzeugenden Stringenz.

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Publikation 2011
"Werte und Wertwandel - Was hält unsere Gesellschaft zusammen?"

 

Publikation 2011

 

 


Die Diskussion um Werte und Wertewandel bestimmt zunehmend den öffentlichen Diskurs. Während die einen den Verfall und die Verrohung unserer Werte prognostizieren, sprechen andere von einer Renaissance traditioneller Werte. 2011 schrieb die Deutsche Gesellschaft e. V. einen Ideenwettbewerb aus und forderte Studierende aller Fachrichtungen auf, über das Thema „Werte und Wertwandel – Was hält unsere Gesellschaft zusammen?“ nachzudenken. Ob es um die Idee des Rechtsstaats als moralisches Minimalprinzip moderner Gesellschaften, die Kultur der Freiheit oder die Kraft der Bürgergesellschaft geht, Ideenreichtum wie thematische Vielfalt in den Essays der Autoren lassen aufmerken und durchaus hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.

Herausgegeben von Andreas H. Apelt, Eckhard Jesse, Heide Stache im Auftrag der Deutschen Gesellschaft e. V., Mitteldeutscher Verlag, Halle 2011, 14,95 €
Gedruckt mit freundlicher Unterstützung des Bundesministeriums des Innern.
 
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